Fly away & find happiness
Image
Brushes
Design
Home G-Bookie Me, myself & I Stuff Bye-bye
Aus dem Leben zurück in die Hölle.

Die Abschlussfahrt war genial. Das erste Mal seit Jahren länger Weg von Zuhause.

Aber es war wirklich super, Barcelona ist eine wunderschöne Stadt. Das Wetter war mit 27°C sonnig und heiß, ich war sogar im Meer schwimmen, im Bikini! Es war schon ein komisches Gefühl, aber keiner aus meinem Kurs hat was blödes gesagt, im Gegenteil, sie fanden das mutig und beachtenswert. Natürlich war das nicht so, wenn die zwei Lehrer dabei waren, aber sonst... nur in der Schule werde ich es trotzdem nicht machen, es gibt einfach zu viele Idioten.

Jedenfalls sind wir viel gelaufen, jeden Tag um die 20km. Dafür haben wir aber auch viel gesehen, die Sagrada Familia, Casa Battló, Casa Milà, das Miró-Museum, das Olympia-Museum, die ganze Stadt einfach, mit ihren kleinen, süßen Gässchen, aber auch die langen, breiten Straßen Eixamples... wunderschön. Ich bin sogar braun geworden, aber ich mag das nicht so gerne, ich bin lieber blass... denn der Adel war schon immer blass neinnein.

Und ich habe gelebt. Seit langem. Ich habe einfach nur gelebt, gelacht. Mich gut gefühlt. Ich fühlte mich so frei, wir waren unter uns, haben Party gemacht, ich war immer in Gesellschaft und hatte so kaum eine Minute mit mir allein, was aber gut war. Es war zwar megaanstrengend und ab und zu wurde ich auch richtig gereizt, aber alles in allem hat es mir gut geholfen, nicht über meinen ganzen Scheiß nachzudenken. Mit dem Essen war es okay, wir hatten morgens und abends Buffet, da gab es nicht viel für mich als Veganerin. Morgens soetwas wie Brötchen mit Erdbeermarmelade, Abends soetwas wie Brötchen mit Salat. Kam mir aber ganz gelegen. Die Supermärkte hatten vegane Kekse, an den ersten zwei Tagen habe ich dann noch recht viel gegessen, danach beschränkten sich meine Mahlzeiten auf drei, die auf den Tag verteilt waren. Ich fühlte mich so normal, so gesund. Wie die anderen, denn ich aß, als sie auch gegessen haben. Dann konnte das doch nicht verkehrt sein, oder? Ich richtete mich dann nach den anderen Mädchen, wollte natürlich insgesamt weniger essen als sie, aber sonst... es war gut. Ich habe auch nicht erbrochen, kein einziges Mal! Verletzt habe ich mich auch nicht. Es war einfach eine gute Zeit.

Und dann war plötzlich Donnerstag. Irgendwie machte sich ein mulmiges Gefühl in mir breit. Auf dem Weg zum Flughafen wurde dieses Gefühl immer größer, nahm mehr und mehr Platz ein. Ich musste die Tränen unterdrücken. Es war einfach so schwer, mein ganzer Körper wiegte 200 Kilo mehr, ich wollte mich am liebsten einfach auf den Boden legen und dort festwachsen, ich wollte nie mehr von diesem Ort weg, ich wollte da bleiben. Nicht, weil ich es dort so wunderschön fand (gut, das auch), sondern, weil es bei mir zuhause so schlecht ist. Es liegt nicht nur an meinen Eltern, wie das mein Lehrer sieht. Er denkt, die Eltern seien alles Schuld. Als es mir schlecht ging, hatte er bloß die Worte "Zieh doch aus, deine Eltern sind verpflichtet, dich finanziell zu unterstützen!" parat. Aber das ist es ja nicht. Ich bin das größere Problem. Kann nicht einfach meine kranke Seite ausziehen? Ich wäre dafür. Raus aus den Leben, zurück in die Hölle. Ich wusste, sobald ich Zuhause bin, wird es wieder losgehen, mein kranker Alltag wird wieder das einnehmen, was die fünf Tage lang Leben war. Und es geht weiter. Das Alleinsein. Das sich-allein-fühlen zumindest. Das unkontrollierbare Essverhalten. Was ist denn jetzt genug, was zu viel? Meine Eltern essen auch nicht normal, nach wem soll ich mich richten? Ich weiß einfach nicht, was normale Portionen sind. Und durch das Ablegen des Rythmus' kommt wieder diese Unordnung. Das "Es war zu viel!" ... das hatte ich in Barcelona auch, aber dadurch, dass ich immer in Gesellschaft war, hatte ich nicht die Möglichkeit, es wieder zu erbrechen. Und jetzt? Jetzt kommt alles, was als zu viel interpretiert wurde wieder raus ins Klo. Und dann geht es weiter, mein erneuter körperlicher Zerfall, die Verzweiflung. Das Schneiden, wenn es mir schlecht geht, bei den Temperaturen kriegt ja niemand mehr meine Arme zu Gesicht.

Schon im Flugzeug zurück nach Düsseldorf hatte ich starke Selbstmordgedanken. Ich wollte nicht zurück in meine persönliche Hölle. Man könnte meinen: dann ändere was dran! Du hast ja auch die fünf Tage recht gut durchgehalten! Ja. Ich versuche seit mittlerweile 4 Jahren, die ich in Therapie bin, etwas zu ändern. Hat es mir Erfolg gebracht? Ich musste schließlich, nachdem ich die Maximalzahl an Therapiestunden mit unzähligen Verlängerungen erreicht hatte, die Therapie als "erfolgslos" beenden. Und nun bin ich für die Verhaltenstherapie gesperrt. Erst in 1 1/2 Jahren darf ich wieder. Woher soll ich die Kraft nehmen? Leben ist so anstrengend, abseits von Spaß und Freiheit. Ich weiß nicht, ob ich dieser Anstrengung gewachsen bin. Mal wieder. Ja, ich weiß, ich hab immer wieder solche Phasen, die Leser hier kennen das sicher schon. Aber für mich ist es mehr als eine  Phase. Es ist eine wichtige Entscheidung. Die wichtigste, ausschlaggebenste meines Lebens. Leben oder nicht leben?

Ich hatte ja mal einen Tag angesetzt. An dem es geschehen soll. Die Planung war abgeschlossen. Dann hatte ich die Idee wieder verworfen, da mich meine Euphorie und Zuversicht wieder hochgezogen haben. Sterben? Nein. Ich mache jetzt mein Abi und studiere dann Medizin! Ich werde die Welt revolutionieren! Ja, ist klar. Ich muss erstmal mein Abi schaffen. Ich hab schon von mehreren gehört, dass das Studium noch viel anstrengender ist als Schule. Hm, ich bin schon in der Schule aufgeschmissen. Kann das überhaupt klappen? Wenn ich schon so oft einfach gesundheitlich nicht in der Lage bin, die Schule zu besuchen, wie wird das dann mit dem Studium sein? Habe ich überhaupt eine Chance? Als mich der schon erwähnte Lehrer vom Thema ablenkend fragte, was ich nach der Schule machen möchte und ich ihm von den Plänen erzählte, fragte er erstmal ungläubig, ob ich den NC überhaupt erreichen könnte. Und ich dachte mir nur: dankeschön. Öl ins Feuer gießen ist eine super Sache! Ich meinte, ich könnte ja auch ein paar Semester warten. Ob das mein späteres Leben wird?

Oder ob mein Leben bald schon vorbei sein wird?
Da kann ich noch nichts zu sagen.

10.10.10 16:48
 


Werbung


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


FragileSorrow / Website (10.10.10 17:49)
Hey

Erstmal freue ich mich, dass du wenigstens ein paar schöne Tage hast.

Das es dir aber wieder schlecht geht, tut mir leid.
Du bist für die Therapie "gesperrt"? Das kann doch nicht wahr sein.
Gerade jemand mit so einem Krankheitsbild brauch doch Unterstützung. Und dann wundert man sich in Deutschland, dass die Suizidrate höher ist als andere Todesarten.
das ist echt nicht okay.
Hoffe trotzdem, dass du durchhälst.

Alles Liebe


winni (verquert) (10.10.10 19:48)
wenn Du für die Verhaltenstherapie gesperrt bist, dann kannst Du auch andere Richtungen ggf. einschlagen. Tiefenpsychologie vielleicht. Oder Dich an eine Beratungsstelle wenden. Ich wünsche Dir, dass Du Wege findest und Dir überlegen kannst, was genau die Freiheit ausgemacht hat. Viel Kraft auf Deinem Weg!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen

Host

Gratis bloggen bei
myblog.de